Kräuterweisheit

Mit diesem kleinen Bericht möchte ich dich ermutigen, dich deinen ganz persönlichen Pflanzenhelfern zuzuwenden und dein Leben mit deinem eigenen, kleinen Sammelkalender an die Rhythmen der Natur und damit an den Jahreskreis anzubinden. 

Die Kräuter kamen in mein Leben in meinem 18.Lebensjahr. Damals hatte ich das Glück, die Bekanntschaft eines Heilers -oder weisen Mannes zu machen. Der befreite mich mit Hilfe des Johanniskrautes  von einer akuten Gürtelrose als auch, im Laufe der Zeit, von der Staubmilbenallergie, die mich seit meiner Kindheit  begleitet hatte. Deretwegen hatte ich bis dahin viele allopathische Mittel genommen. Der Heiler half mir, Freundschaft mit meinem ersten Pflanzenverbündeten zu schliessen, dem Johanniskraut, der Sonne unter den Kräutern. Seitdem bereite ich regelmässig und jedes Jahr um den 24.6. herum das Johaniskrautöl , welches mich schon auf die unterschiedlichsten Arten unterstützt hat. 

 

Im Zuge meiner spirituellen Weges haben mich die Kräuter phasenweise mal intensiver und auch mal weniger deutlich spürbar begleitet. Eine Zeitlang kamen über jedes Jahr einige Pflanzenverbündete , jedoch immer mindestens eine neue Helferin, hinzu. 

Über die Jahre hinweg ergab sich ein persönlicher Sammelkalender. Dieser beginnt immer mit der Weidenrinde, die ich verwende um Schmerzen zu lindern. (gemahlener Weihrauch ist die Alternative).  Nach der Weidenrinde locken mich jährlich die jungen, grünen Triebe des Holunderbusches mit ihrem betörenden Duft in den Wald, die ich nicht sammle, mich aber an ihrem intensiven Duft nähre. Erst später im Jahr verwende ich Blüten für den erfrischenden Holundersirup und Beeren für einen Grippesaft, der mich und meine Lieben im Winter immunstärkend unterstützt. Dann kommen die Schlüsselblumen, als erster Teil einer Hustenteemischung, der Spitzwegerich, die Blätter des Huflattich. Alles Kräuter, die eins ums andere im Jahresverlauf hinzugefügt werden. Der Löwenzahn im Frühjahr bereichert meine Küche in Salat oder Suppe. Die Wurzeln verwende ich zum Räuchern und hin und wieder auch zum knabbern. Sie sind herrlich bitter. Auch der Frauenmantel findet Platz in einer Frauenteemischung, zusammen mit der Schafgarbe und dem Rotklee. Schafgarbe als auch Spitzwegerich verwende ich auch um Öle anzusetzen, die ich später dann zu Salben verarbeite. 

 

Zu jeder Pflanze gibt es eine Geschichte wie sie mich rief und wann sie, und in welcher Lebenssituation, meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Eine Geschichte, die vom Mutterkraut, möchte ich hier gerne teilen. 

 

Diese Pflanze wuchs in meiner Mutters Garten wie Unkraut, ohne dass ich sie beim Namen gekannt hätte . Als eine Freundin mich fragte, ob sie mir etwas vom Pflanzenmarkt mitbringen sollte den sie  in meiner Abwesenheit besuchen wollte , bat ich sie, in ihrer Wahl einfach ihrer Intuition zu folgen. In der Zwischenzeit besuchte ich ein Seminar. An der Wand des Speisesaals hing unter anderem das Bild einer von Hand gezeichneten Pflanze. Darunter stand das Wort Mutterkraut. Ich betrachtete das Bild und entsann mich, dass ich von ihr gelesen hatte als ich in meinen Kräuterbüchern auf der Suche nach pflanzlicher Unterstützung bei Magen-Darm Beschwerden war . Ich freute mich, sie nun hier bildlich vorzufinden. Allmählich dämmerte mir, dass ich sie irgendwo schon gesehen hatte. ...

 

Als ich dann nach Hause kam fand ich 2 Pflanzengeschenke von meiner Freundin vor der Tür. Eine davon mit der Blüte der sog. Mutterkrautpflanze. Als ich dann in meinen Garten ging, wurde ich mir plötzlich gewahr, dass dieses Kraut , das den Gerten überall überwucherte und mir bis dahin unbekannt war, genau jenes Mutterkraut war….also bereits geduldig darauf gewartet hatte, dass ich es endlich in seiner Fülle erkenne.

 

Geschichten dieser Art liessen sich viele erzählen. Hier  eine weitere:

Nach dem Tod meiner Mutter und dem Entschluss für eine Weile in meinem Elternhaus zu bleiben, wuchs in diesem Jahr eine solche Menge  an Johanniskraut wie nie zuvor. Der ganze Garten war komplett übersät davon. Das durfte ich durchaus als persönlichen Willkommensgruss annehmen.  

 

Meine Reise durch die Welt der Pflanzengeister dauert an. Je nachdem, in welcher Lebensphase ich mich gerade befinde und welche Art von Unterstützung ich gerade brauche, begegnet mir im Pflanzenreich ein zuverlässiger Helfer. Mitunter lade ich diese auch ein. So habe ich beispielsweise in diesem Frühling ein paar Weissdornbüsche um mein Haus herum positioniert als Einladung an den starken, schutzgebenden Herzraum und die Herzkraft, die der Weissdorn repräsentiert. Es war mir ein Bedürfnis diese in meiner Nähe willkommen zu heissen um deren Segen in mein Zuhause einzuladen.

Stets gibt es mindestens zwei Möglichkeiten der Annäherung an eine Pflanze. Die grobstoffliche und die feinstoffliche. Beide  sind gleichermassen wichtig und finden in meinen Seminaren Beachtung. Wir stellen von den Pflanzen die uns rufen, Tees, Salben, Kräutersalz etc. her oder sammeln Vorräte für den Winter.  Dabei folgen wir dem inneren Dialog, der sich in der Natur beim Still werden und nach innen Lauschen ganz von alleine und in aller Leichtigkeit ergibt. So erhalten wir über angelesenes oder persönlich übermitteltes Kräuterwissen hinaus diejenigen Botschaften, die uns ganz individuell und die jeweilige Lebenslage betreffend, unterstützen können. 

Im Sommer finden sich dann die Rose und die Lindenblüte meinem ganz persönlichen Sammelkalender hinzu und im Herbst geht es weiter, bis in den Winter hinein, der dann die Urkraft der Misteln hervorhebt u.v.m.

 

Im Jahresverlauf entstehen verschiedenste Teesorten. Meine Standardtees sind einer bei grippalem Infekt, einen für Husten und einen für die Verdauung. Letzterem füge ich die gekaufte Süßholzwurzel hinzu. Die Rezepte variieren.

 

Hilfreich für eine ausgewogene Ernährung ist selbstverständlich ganzjährig das regelmässige Naschen von Knospen, Blüten, Gräsern, Blätter, Früchten, Nüssen etc. So ist mir zum Beispiel  die Knospe des Lindenblütenblattes ein unverzichtbare Süssigkeit im Frühjahr geworden. Ebenso die frische, hellgrüne Spitze der jungen Tannentriebe im Wald, die noch kleinen, zarten Triebe der Maiskolben , die ich (na klar)  von biologischen Feldern hin und wieder stibitze. Die Früchte des Weissdorn, deren leicht süsslicher, mehliger Geschmack, die Hagebutte  und die reifen Haselnüsse und Walnüsse bereichern meinen Speiseplan im Herbst und in den Winter hinein.

 

Erdenherzliche Grüße , Christiane